Überlegungen zur Gartenschau und der Zukunft des Enßle-Geländes

Bürgerprotest gefährdet Gartenschau“ – mit diesem reißerischen Aufmacher betitelte die Ludwigsburger Kreiszeitung vom 9.11.2016 die Vorgänge in unserem Städtle. Für diesen Aufmacher wurde Herr OB Maisch zitiert, der düster verkündete: „Wenn der Bürgerentscheid gegen unsere Planung ausgeht, können wir das Gartenschauprojekt vergessen“, […] „Ich als Jurymitglied würde dem niemals zustimmen.“

Nun ist es inzwischen so, dass dem Bürgerbegehren stattgegeben wurde und die Gartenschaubewerbung inzwischen ebenfalls beim Landwirtschaftsministerium liegt. Eigentlich ein bisschen spät, um jetzt noch zu widersprechen. Trotzdem. Es wurmt uns. Die Gegner der geplanten Bebauung, also wir, bekommen den schwarzen Peter zugeschoben, als ob es von vornherein unser Ziel gewesen wäre, die Gartenschau zu sabotieren. Dem ist selbstverständlich keineswegs so, im Gegenteil! Wir von der BGB unterstützen die Gartenschaubewerbung durchaus.

Es ist hier allerdings so, dass zwei völlig voneinander unabhängige Dinge von unserem Oberbürgermeister miteinander in Verbindung gebracht werden: Zum einen die geplante Bebauung des Enßle-Geländes, das – so die Stadt – den Handel in Vaihingen an der Enz ankurbeln soll. Das andere ist die Gartenschau, die, anders als der OB suggeriert, in keinster Weise mit den Bebauungsplänen rund ums Enßle-Areal verknüpft ist, sondern ein gänzlich unabhängiges Projekt ist. Das ist so wie mit den berühmten Äpfeln und Birnen.

Reden wir einmal nicht vom (vorgeblichen) wirtschaftlichen Nutzen, sondern schauen uns unsere Äpfel und Birnen, sprich: Enßle-Gelände und Gartenschau einmal an. Anders als die Stadt sehen wir, dass sich die beiden Pläne viel eher widersprechen: Auf der einen Seite will man mit einer Gartenschau Besucher in die Stadt locken. Eine Gartenschau suggeriert viel Grün, Parkanlagen, Wachstum. Sie soll mit schönen Ausblicken reizen und verlocken. Nur wird dieses Versprechen nicht eingehalten werden, sollte die Stadt weiterhin grüne Flächen und historische Bebauung zugunsten von grauem Beton einebnen. Die Zufahrt in die Stadt von der Stuttgarter Straße aus ist ja inzwischen zubetoniert. Statt das Potential der charmanten alten Häuser voll auszuspielen, haben Investoren freie Hand bekommen, historische Bauten zu beseitigen, um teuren Wohnraum zu erschließen und der Stuttgarter Straße ein Gesicht verliehen, das anonym, grau und reizlos ist.

Soll dasselbe nun im Mühlkanal passieren? Auf der einen Seite die hübschen Fachwerkbauten, auf die die Stadt eigentlich stolz sein sollte, die einzige unverbaute Stadteinfahrt und auf der anderen Seite … ein Betonblock im neobrutalistischen Stil, der den Gartenschaubesuchern von der Enz aus die schönste Aussicht auf das Schloß Kaltenstein mit noch einem grauen Riegel versperren wird? Diese Idee irritiert nicht wenig.

Oder wäre nicht doch ein liebevoll restaurierter und modernisierter Backsteinbau zu bevorzugen? Ein Gebäude mit einem ganz besonderen Charme nach dem sich andere Städte alle zehn Finger lecken würden und der eine Menge Möglichkeiten für denjenigen, der ein bisschen seine Fantasie spielen lässt, bietet? Dazu nebenan die kleinen Gartenparadiese mit den hübschen Jugendstil-Gartenhäuschen, die sonst weichen müssten. Und was ist eigentlich mit dem angeblich geplanten Biergarten in der ehemaligen sogenannten Reithalle, der unserer Stadt endlich mal ein dringend gewünschtes kleines Paradies zum gemütlichen Feierabendbierchen bei schönem Wetter bieten könnte? Bedenken Sie: Wie wahrscheinlich wäre denn ein Biergarten, den die Stadt an dieser Stelle vorgeblich gerne hätte, wenn unmittelbar nebenan Wohnraum entsteht und Parkplätze benötigt würden?

Noch viel größer ist aber die Sorge: Was wäre wenn, wenn das Enßle-Areal die von der Stadt gewünschten Wohn- und Geschäftsbauten bekommt und die Gartenschaubewerbung abgelehnt wird? Wer garantiert denn, dass nicht in Salami-Taktik immer mehr von den Bürgergärten verschwinden werden, deren immenser Nutzen für die Bevölkerung in anderen Städten übrigens gerade wiederentdeckt werden? Nur als ein kleines Gedankenspielchen…

 

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