JA für die Gartenschau!

Der BGB wird oft vorgeworfen, die Gartenschau verhindern zu wollen. Nichts könnte uns ferner liegen! Wir sind uns selbstverständlich bewusst, dass eine Gartenschau eine große Chance für Vaihingen sein kann, zumal der positive Effekt nicht nur eine einzige Gartensaison lang andauern wird, sondern, wie viele andere Städte zeigen, nachhaltig wirken kann. Es ist ja nicht nur so, dass viele problematische Stellen unserer Stadt (z.B. der Spielplatz auf den Köpfwiesen) beseitigt werden würden und die Infrastruktur auf Dauer verbessert würde. Die Gartenschau verheißt Besucher und damit einen Aufschwung des Einzelhandels, was wir ebenfalls stark befürworten. Zudem befürworten wir eine Aufwertung der Gärten zur lange überfälligen, erholsamen grünen Oase in der Stadt, die auch ohne Auto gut zu erreichen ist.

Daher verstehen wir die Vorwürfe nicht, dass wir die Gartenschau hintertreiben würden. Zunächst einmal hat der Bürgerentscheid nicht das Geringste mit der Planung der Gartenschau zu tun. Es geht konkret um die Änderung des Bebauungsplans: Wir haben gute Gründe, den geplanten Neubau der Stadt abzulehnen und nehmen daher für uns in Anspruch, die demokratischen Mittel, die uns als Bürger zur Verfügung stehen, auszuschöpfen, um ein in unseren Augen unsinniges Projekt zu stoppen. Das ist unser vom Staat zugestandenes Recht.

Den Bürgerentscheid mit der Gartenschau in Verbindung zu bringen ist hanebüchen und eine sehr durchschaubarer rhetorischer Trick, uns als Fortschrittsgegner und realitätsferne „Baumstreichler“ zu diskreditieren und obendrein einen schwarzen Peter zu haben, dem man die Schuld zuschieben kann, wenn es doch nicht klappen sollte.

Um aber zum Thema Gartenschau zurückzukommen: Wir sind der Meinung, dass gerade die Neubaupläne der Stadt dieses Projekt in Gefahr bringt! Wie Herr Senner vom Büro Planstadt in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte:

„Das sind Profis. Die wollen keine Augenwischerei hören. Man muss ihnen die Flächen zeigen, um die es geht. Und das Ganze muss in den Masterplan der Stadt eingebunden sein. […] Das Konzept muss auf jeden Fall gut sein. Es sollte einen visionären Charakter haben, aber auch realistisch umsetzbar sein. Dann müssen der Gemeinderat und die Verwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze mit Haut und Haaren dahinter stehen.“

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Angesichts der angestrebten Planänderung bezweifeln wir, dass die Stadt tatsächlich mit Haut und Haaren hinter einer Gartenschau steht?

  • Was hat ein überdimensionierter Neubau mit Geschäften und teuren Luxuswohnungen mit „Grüner Mitte“, Ausflugsziel und Natur zu tun?
  • Die Konzepte „Gartenschau“ und „Neubebauung“ widersprechen sich im Kern: Die Bewohner könnten sich vom Lärm und den Besuchern belästigt fühlen. (Der geplante Biergarten in den sogenannten „Reitställen“ wird daher ebenfalls unwahrscheinlich.)
  • Wieso möchte man ein Gebäude, noch länger, breiter, höher als das schon Vorhandene, das den Gartenschaubesuchern die schönste Sicht auf die Altstadt, die Stadtkirche und Schloss Kaltenstein nimmt – also gerade die Attraktionen, mit denen die Stadt um Besucher wirbt?
  • Wie ernst ist es der Stadt mit der Gartenschau, wenn die erste Maßnahme ist, Gärten und historische Substanz zu vernichten, die man sehr gut in das Konzept einer Gartenschau einbinden könnte. Durch den Rückbau und eine gelungene Renovierung in moderne Glas-Backsteinoptik kann das Enßle-Gebäude im Ensemble mit den Reitställen z.B. als Touristeninfo, für Infos zur Gartenschau, zur Stadt und ihrer Geschichte samt entsprechender Ausstellung, als Kartenverkaufsstelle, Café mit Besuchertoiletten, später als Platz der Begegnung dienen, dazu die schönsten Gärten als Schaugärten für die historischen Gartenanlagen seit dem Mittelalter. Mit dem Neubau hingegen hätte man keinen Eingangsbereich zur Gartenschau zur Verfügung, sondern würde Gartenschaubesucher im Eingangsbereich eine 12 Meter hohe Betonwand entlangführen.
  • Die benötigten Parkkapazitäten, die nach diesem Plan auch ohne Gartenschau aufs Äußerste strapaziert werden, würden nicht ausreichen. Und ein Parkplatz plus riesigem Betonbau als Eingang zur Gartenschau von der Stadt aus – was für einen Eindruck würde Vaihingen den Besuchern vermitteln?
  • Die Anbindung zur Stadt ist in der Form nicht gegeben. Ziel ist schließlich, Gartenschaubesuchern nicht nur die Schönheit der Gärten, sondern auch die Schönheit der Stadt nahezubringen.
  • Wir fragen auch: Wo ist der Masterplan der Stadt, den Herr Senner im Interview mit der Stuttgarter Zeitung ebenfalls als sehr wichtig erachtet? Gibt es einen? Ein bloßes Einzelhandelskonzept, noch dazu veraltet und bislang nicht umgesetzt, reicht nicht aus, um unsere Stadt attraktiver zu machen. Eine Gartenschau ist eine unglaublich gute Chance, die Schönheit unseres Städtchen hervorzuholen. Dazu ist aber mehr notwendig als ein bloßer Investorenbeton am äußersten Rand der Altstadt.

Tatsächlich Visionär wäre es in unseren Augen, wenn die Stadt mit den Bürgern gemeinsam überlegt, wie man das Beste aus den Köpfwiesen heraush

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