Stellungnahme zu „Showdown für Stadtentwicklungsprojekt“

Die heutigen Ausgaben der Stuttgarter Nachrichten /Stuttgarter Zeitung haben heute über den bevorstehenden Bürgerentscheid berichtet. (Bitte klicken Sie hier)

Bitte lesen Sie hierzu unsere Stellungnahme:

Sehr geehrte Frau Mathes,

es ist ja löblich, dass die Stuttgarter Nachrichten /die Stuttgarter Zeitung dem Bürgerentscheid zum Enßle-Areal in Vaihingen so viel Raum einräumt. Leider ist das auch alles, was man Positives über Ihren Artikel und Kommentar sagen kann. Offenbar haben Sie sich nicht mit den Argumenten der BürgerGärtenBewegung beschäftigt, oder sie stellen die Beweggründe absichtlich verzerrt dar. Die Argumentation von OB und Gemeinderat übernehmen Sie dagegen, ohne sie auch nur im Ansatz zu kritisch hinterfragen.

Zunächst muss mensch Ihren Begriff „Industriebrache“ infrage stellen, sowie das Wort „aufgelassen“. Sie stellen damit nicht nur das (zu Recht umstrittene) Enßle-Gebäude sondern auch die drei direkt betroffenen Gärten als wertlos dar. Mit keinem Satz erwähnen Sie, dass diese Gärten zu den schönsten und best-gepflegten in den Köpfwiesen gehörten, bevor die Stadt zum Ende des vergangenen Jahres den Pächtern kündigte. Ebenso wurde das Enßle-Gebäude bis zur Kündigung der Mietverträge genutzt, lag
also keineswegs brach.

Wenn dies ins rechte Licht gerückt ist, können wir darüber diskutieren, ob eine Sanierung und Umnutzung wünschenswert gewesen wäre – oder ob es vielleicht besser wäre, das Gebäude abzureißen, und Platz für mehr Grün zu schaffen. Wenn dieser Bau nicht dort stünde, würden die Köpfwiesen als große, zusammenhängende Grünfläche augenfällig.

Die Argumentation der  Gemeinderatsfraktionen und des Oberbürgermeisters verschweigt – insbesondere in den Zitaten, die Sie wiedergeben, viele wichtige Dinge. Nur ein Beispiel: Dass von den Bürgergärten – besser von den Köpfwiesen nur wenige Bürger profitieren, ist der Politik von Stadtverwaltung und Gemeinderat zuzuschreiben: Es gibt von Seiten der Stadt seit 2014 Pläne, etwa die Hälfte des Geländes in einen Park umzuwandeln. Die nötigen Grundstücke sind im Besitz der Stadt. Warum sich in dieser Sache seit über drei Jahren nichts bewegt, darüber schweigen die Damen und Herren im Rathaus.

Aber jetzt, wo die historischen Gärten angetastet werden sollen, um Raum für Kommerz zu schaffen, wird der BürgerGärtenBewegung unterstellt, Stillstand zu wollen.

Die BürgerGärtenBewegung hat von Anfang an betont, dass es ihr um eine Entwicklung der Stadt im Dialog zwischen BürgerInnen, Gemeinderat und Stadtverwaltung geht. Neues ermöglichen, statt ein Stückwerk von Ideen aus dem letzten Jahrhundert fortzuschreiben.

Wenn Sie sich anschauen würden, wie OB, Stadtverwaltung und Gemeinderat auf den Protest, der sich seit mindestens Herbst 2016 gegen das Projekt regte, und auf Bitten und Aufforderungen zu einem Dialog mit den BürgerInnen reagiert haben, dann hätten Sie ein sehr treffendes Beispiel dafür, wie Politikverdrossenheit geschürt wird.

Abschließend müssen wir noch den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels und des zugehörigen Kommentars rügen: Am Tag vor der Abstimmung gibt es für Stellungnahmen wie dieser keine Zeit mehr, die Öffentlichkeit zu erreichen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Sie mit Ihren tendenziösen Texten das letzte Wort behalten wollten.

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