Gegen den Stillstand: Das Projekt „LIFEHOUSE“

In der VKZ vom 24.20.2018 erschien ein Bericht, in dem sich die Werbegemeinschaft Vaihingen/Enz (WGV) entsetzt zeigte über die Bemühungen der Bürgergärtenbewegung (https://www.vkz.de/lokales/vaihingen/wir-haben-keine-drei-jahre-zeit/). In diesem Bericht war die Rede von weiteren „drei Jahren Stillstand“. Wörtlich sagte Michael Eisinger, Sprecher der WGV:

„Und wir haben keine drei Jahre Zeit, sonst werden noch mehr Geschäftsleute in der Innenstadt aufgeben.“ Weiter hieß es: „Alles ist besser wie [sic!] der jetzige Zustand dort“, heißt es vonseiten der WGV. Die Ansiedlung von Wohnungen und Gewerbe würden das Gelände „um 5000 Prozent aufwerten“

 

Alles sei besser? Wie das klingt, wollen wir hier unkommentiert lassen. Nur die Behauptung, dass das Bürgerbegehren, sollte mit „JA“ abgestimmt werden, für weitere drei Jahre Stillstand sorge, können und wollen wir nicht auf uns sitzen lassen. Es gibt ganz fantastische Ideen für die Nutzung des Enßle-Areals, die wir in unserer Aktion „Zündende Ideen“ gesammelt haben. Aber daneben gibt es sogar ein konkretes, fertiges Konzept, was man mit dem Gebiet in den Köpfwiesen anfangen könnte, ohne die historische Bausubstanz zu zerstören, Gärten abzureißen, Konkurrenz für die in der Innenstadt befindlichen Einzelhändler zu schaffen und teuren Wohnraum zu schaffen, der nur wenigen zugute kommt und die Wünsche vieler Vaihinger nach einem Naherholungsgebiet im schlimmsten Fall sogar konterkarieren könnte.

Mit neuen Ideen und ein bisschen Abenteuergeist lassen sich deutlich aufregendere Dinge in den Köpfwiesen verwirklichen als lediglich drei Ladenflächen für Filialisten einzurichten.

Es ist gerade einmal zwei Wochen her, als sich Roland Weikert und seine Frau Marianne an die BGB (BürgerGärtenBewegung) Vaihingen an der Enz wandten, um ihre Vision über eine mögliche alternative Nutzung des Köpfwiesenareals vorzustellen. Weikert, von Hause aus Ingenieur für Gebäudetechnik, hat zusammen mit anderen Enthusiasten die Vision vom „LIFEHOUSE“ entwickelt, die für jung und alt etwas zu bieten hat und auch der derzeit stattfindenden Polarisierung „Wir gegen die“ entgegenarbeiten will. Im Grunde wollen wir doch alle das Gleiche: Nämlich unsere liebenswerte Stadt wieder aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen.

Die Idee des „LIFEHOUSE“

„LIFEHOUSE“ ist eine generationenübergreifende und ganzheitliche Idee, in der Enßle-Gebäude und Köfpwiesengärten als Einheit gestaltet werden soll. Roland Weikert schreibt dazu:

Wir möchten Euch teilhaben lassen an unserer Vision eines generationenübergreifenden Kultur- und Begegnungszentrums mitten im „Stadtparkareal“ von Vaihingen an der Enz. Die Stadt Vaihingen und ein gutes Miteinander für und mit den Menschen jeden Alters liegt uns am Herzen. Marianne hat viele Jahre des wertvollen Miteinanders am Weihnachtsmarkt mit immer wieder freigesetzter Freude und Leben erfahren dürfen.“

 

Das LIFEHOUSE als Zentrum der Entwicklung soll dabei als generationenübergreifendes Kultur- und Begegnungszentrum gestaltet werden, wobei vorgesehen ist, die alte Backsteinfassade vorsichtig zu modernisieren und zu verschönern. Umliegend stellt sich das Team um Weikert Sport- und Liegewiesen vor, einen schönen Spielplatz, spannende Schaugärten und – nicht zu vergessen – einen Biergarten. Der wichtige Anschluss an den Enztalradweg darf in dieser Vision auch nicht fehlen. Das Enßle-Gebäude würde in dem Gesamtkomplex die Eingangsfunktion in die Gärten übernehmen. Vorstellbar wären außerdem Ladeneinheiten in den Backsteingebäuden, Platz genug ist da. Die Vision spricht von einem lebenswerten Gesamtkonzept, einem Naherholungsraum als Ausgleich für die an einem Grünflächenmangel leidende Altstadt.

Die Stadtplanerin Dr. Hildegard Schröteler-von-Brandt ist überzeugt, dass „Bürger einer Stadt wie Vaihingen an der Enz sich mit ihrem Ort identifizieren…“ müssen. Die Frage ist, ob sich die Bürger mit einem Wohn- und Geschäftskomplex eines Investors, in dem sich 16 Wohnungen und drei Ladenflächen für Filialisten identifizieren können? Oder nicht doch eher mit einem gut umgesetzten Gesamtkonzept, das allen Bürgern zugute kommen kann und in dem auf die vielen unterschiedlichen Wünsche der Vaihinger Bürgerinnen und Bürger eingegangen werden kann? Immerhin war auch dieser Punkt einer von OB Maischs größten Kritikpunkten an den Bürgergärten der Köpfwiesen: Dass nämlich nicht alle Bürger etwas von den Gärten haben, sondern nur einige wenige diese nutzen können … mit einem Konzept wie dem der Weikerts wäre es in der Tat möglich, ein äußerst attraktives, einheitliches Gesamtkonzept für Gärten und Bauten umzusetzen, das die gewünschte Türöffnerfunktion in die Altstadt tatsächlich erfüllt sowie Stadt, Einzelhändler und Bürger zufriedenstellen könnte.