Einladung zum VAImilientag

Am Samstag, den 17. März findet in Vaihingen an der Enz wieder der VAImilientag statt. Der Winter geht, der Frühling kommt und alle drängt es nach draußen. Am Samstag haben die Geschäfte in der Fußgängerzone bis mindestens 17 Uhr geöffnet, außerdem werden verschiedene Aktivitäten angeboten.

Elternbetreuung und Kinderspaß mit original Messerschmitt-Kabinenrollern

Auch die BGB wird es sich nicht nehmen lassen, dabei zu sein. Die Kinder dürfen mit einem knuffigen Original-Messerschmitt-Kabinenroller durch Vaihingen flitzen, während die Eltern an unserem Stand betreut werden und mit Informationen zum bevorstehenden Bürgerentscheid gefüttert werden.

So sehen sie aus, die kleinen Messerschmitt-Kabinenroller

Außerdem gibt es Luftballons!

Andreas Schuller vom Gasthaus Engel möchte außerdem am gleichen Tag um 15 Uhr mit seiner Schildkröte Gustav zu einem Spaziergang durch die Köpfwiesen einladen. Wie immer wird der Treffpunkt vor dem Parkhaus Köpfwiesen sein. Bei Interesse findet ein weiterer Spaziergang um 12 Uhr mittags statt.

Das Enßle-Gebäude, wie es aussehen könnte

In den vergangenen Wochen haben uns mehrere Emails erreicht, in denen wir gefragt wurden, wie es denn nun aussehe, das alte Bauwerk? Die hässliche Eternit-Verschalung, die das Enßle-Gebäude derzeit ziert, wurde in den 70er-Jahren des letzten Jahrtausends angebracht. Es ist daher, das geben wir gerne zu, keine Augenweide, weswegen es vielen so unverständlich erscheint, wieso wir das Bauwerk als schützenswert erachten.

Das Enßle als Industriedenkmal

Nun, es ist nicht immer nur die Optik entscheidend. Das Enßle-Gebäude, wie es in Vaihingen allgemein genannt wird, ist eine ehemalige Handschuhfabrik. Es ist ein Zeugnis aus der Zeit der Gerber, sogar das letzte, das noch steht. Die Gerber- und Leimsiederkultur hat damals den Vaihingern Wohlstand beschert. Es ist daher, wenn man so möchte, ein geschichtliches Zeugnis. Sobald es einmal abgerissen ist, wird es nicht wieder aus der Ecke hervorgeholt werden können. Es ist ein Stück Industriekultur. Etwas, das in anderen Städten als Touristenziel in den letzten Jahren wiederentdeckt wird. Industriekultur gilt in den Augen vieler nicht als schützenswert, als minderwertig gegenüber den großartigen Bauten des Barock oder der Gotik, und doch hat die Industriekultur ihren ganz eigenen Charme und ihren eigenen Charakter. Und finden Sie nicht ebenfalls, dass schon viel zu viel alte Baumasse dem Bagger zum Opfer gefallen ist, durch Beton ersetzt wurde und unser Städtchen so nach und nach immer mehr an Einzigartigkeit verliert?

Historisches Enßle-Gebäude

Aber zurück zum Thema. Historische Bilder haben wir nicht viele. Hier zum Beispiel ist eine historische Luftbildaufnahme, auf dem noch die komplette Handschuhfarbik zu erkennen ist und das alte Sarglager noch steht. Man sieht nicht viel, aber dass es sich um einen Backsteinbau handelt, kann man gut erkennen.

Gerade solche alten Industriegebäude aus Backstein bieten sich an, nicht nur renoviert zu werden. Sie bieten viele Möglichkeiten, die Kreativität bei der Restaurierung spielen zu lassen, da sie in sich schon sehr schlicht sind und daher flexibel an die heutige sehr minimalistisch ausgerichtete Ästhetik anpassbar sind.

Vorbild für das Enßle? Die Pose-Marré in der Nähe von Düsseldorf

Als Beispiel möchte ich – und hier beziehe ich mich ausnahmsweise einmal auf mich selbst  – das Gelände der Pose-Marré nennen. Die Pose-Marré war eine ehemalige Stahlfabrik in der Nähe von Düsseldorf, in einem Städtchen, in der ich als Studentin gewohnt habe. Jeden Tag bin ich auf dem Weg zur Uni oder in der Stadt an diesem Gelände mit den sich selbst überlassenen Fabrikbauten vorbeigekommen. Das Gelände war von Unkraut überwuchert, die Fenster zersprungen, die Gebäude sich selbst überlassen. Sehr reizvoll sah das Gelände im Zentrum des Städtchens wahrhaftig nicht aus, im Gegenteil: Es war ein wahrer Schandfleck für die Stadt … bis ein Investor die Möglichkeiten gesehen hat. Statt die verfallenen und heruntergekommenen Gebäude abzureißen, wie es die Stadt nämlich ursprünglich geplant hatte, um dort einen x-beliebigen Supermarkt aufzubauen, wurden die alten Gebäude renoviert und modernisiert.Heute findet man alt und neu in symbiotischer Beziehung nebeneinander. Aus dem ehemaligen Schandfleck ist ein wahres Schmuckstück geworden, das Gewerbe, Wohnen und Kultur in sich vereint: Dort finden Konzerte, Kabarets und Ausstellungen statt, es gibt Büros und Wohnungen, eine Gastronomiebetreiber wird gerade gesucht. Was ich damit sagen möchte ist, dass hier ein Weg gesucht und gefunden wurde, ein Problemfall der Stadt in einen Anziehungspunkt zu verwandeln. Das wäre mit dem Enßle-Gebäude ebenfalls (in kleinerem Rahmen natürlich) möglich, sofern, ja, sofern der politische Wille dazu vorhanden ist.

Visualisierung: Wie könnte das Enßle-Gebäude in modernisierter Form aussehen?

Ideen gibt es, das hat uns unsere Postkartenaktion „Zündende Ideen“ oder das „Projekt LIFEHOUSE“gezeigt. Es sind Ideen, von denen sich nicht nur eine einzige umsetzen lassen würde, sondern gleich mehrere, in unseren Augen zum Vorteil der Stadtentwicklung, da Erholungszonen in Vaihingen fehlen. Einer der Mitglieder der BGB hat sich die Mühe gemacht und das Enßle-Gebäude visualisiert, wie es in einem renovierten Zustand aussehen könnte.  

Finden Sie nicht auch: Ein historisches Bauwerk mit warmer Backsteinfassade passt einfach viel besser zu einer Altstadt, die stolz ist auf ihr historisches Erbe als ein moderner, überdimensionierter Neubau?

 

Statt Stillstand: „Zündende“ Ideen fürs Enßle-Areal!

Vielleicht erinnern Sie sich noch oder haben sogar mitgemacht: Auf dem Weihnachtsmarkt 2017 haben wir auf dem BGB-Stand vor dem Engel nicht nur Informationen für Interessierte gehabt, sondern auch heißen Met und Hibiskustee für durchgefrorene Weihnachtsmarktbesucher. Bei der Gelegenheit haben wir Postkarten verteilt, in denen wir die „zündenden Ideen“ fürs Enßle-Areal der Vaihinger Bürgerinnen und Bürger gesucht haben.

Wir haben jetzt, zwei Wochen vor der Wahl, die Ergebnisse der Postkartenaktion ausgewertet, und es überrascht nicht: Eine überwältigende Mehrheit war dafür, an dieser Stelle der Köpfwiesen ein Café, eine Weinstube oder Biergarten zu eröffnen, mit Möglichkeiten, draußen zu sitzen, einem schönen Kinderspielplatz und einem angrenzenden Park, in dem man sich die überschüssigen Kuchenkalorien gleich wieder wegspazieren kann. Und nicht zu vergessen: mit der wichtigen Anbindung an den Enztalradweg.

Viele haben vorgeschlagen, ein Kino dort einzurichten, so etwas fehle in Vaihingen. Oder einen Begegnungsraum, einen Treffpunkt für alle Bürger. Fast genauso viele waren für ein lange ersehntes, oft geplantes und nie umgesetztes Museumkonzept: Als Gerbermuseum oder Museumsinsel, Galerieraum für lokale Künstler und Kunsthandwerker oder als richtiges Stadtmuseum. Eine Markthalle mit regionalen Produkten, einem angrenzenden Bistro und wöchentlichen Musikevents, so lauteten weitere Postkartenvorschläge. Noch eine Idee bestand in einem Co-Working-Space, in dem Freiberufler, digitale Nomaden, Kreative und kleine Start-ups, für die normale Büroräume zu teuer sind, zusammen arbeiten und kreativ sein können.

Es gibt viele gute Ideen, von denen sich sogar nicht nur eine, sondern gleich mehrere gleichzeitig realisieren lassen können. Und vor allen Dingen sind es Ideen, die nicht in Konkurrenz zu den Einzelhandelsgeschäften der Innenstadt stehen, sondern diese durch eine Türöffnerfunktion unterstützen können: Unten, in den Gärten, das Naherholungsgebiet mit Café, Biergarten, Weinstube, Markthalle, Touristeninformation oder Museum, oben die Stadt, durch die man vor oder nach dem Einkauf flanieren kann.

Gegendarstellung zum VKZ-Bericht vom 23.2.2018

Da wir von BGB, genauso wie viele Vahinger Bürger, nicht nur in dieser Woche mit Frau Beller vom Floristikgeschäft Liebrich gesprochen haben, hat sich sicher der eine oder andere beim Lesen des entsprechenden VKZ-Berichtes vom 23.02.2018 verwundert die Augen gerieben. Wer sich nicht nur in indirekter Erzählung informieren möchte darf gerne die beigefügte und von Frau Beller autorisierte Pressemitteilung lesen:
Download Presseinfo zur Abschiedsfeier des Blumenladens Liebrich
Leider konnte uns der verantwortliche Redakteur auf Nachfrage übrigens auch keine Quelle für die angeblichen Angriffe auf die Stadtverwaltung nennen. Wer diesbezüglich Informationen hat, kann uns gerne benachrichtigen.

JA für die Gartenschau!

Der BGB wird oft vorgeworfen, die Gartenschau verhindern zu wollen. Nichts könnte uns ferner liegen! Wir sind uns selbstverständlich bewusst, dass eine Gartenschau eine große Chance für Vaihingen sein kann, zumal der positive Effekt nicht nur eine einzige Gartensaison lang andauern wird, sondern, wie viele andere Städte zeigen, nachhaltig wirken kann. Es ist ja nicht nur so, dass viele problematische Stellen unserer Stadt (z.B. der Spielplatz auf den Köpfwiesen) beseitigt werden würden und die Infrastruktur auf Dauer verbessert würde. Die Gartenschau verheißt Besucher und damit einen Aufschwung des Einzelhandels, was wir ebenfalls stark befürworten. Zudem befürworten wir eine Aufwertung der Gärten zur lange überfälligen, erholsamen grünen Oase in der Stadt, die auch ohne Auto gut zu erreichen ist.

Daher verstehen wir die Vorwürfe nicht, dass wir die Gartenschau hintertreiben würden. Zunächst einmal hat der Bürgerentscheid nicht das Geringste mit der Planung der Gartenschau zu tun. Es geht konkret um die Änderung des Bebauungsplans: Wir haben gute Gründe, den geplanten Neubau der Stadt abzulehnen und nehmen daher für uns in Anspruch, die demokratischen Mittel, die uns als Bürger zur Verfügung stehen, auszuschöpfen, um ein in unseren Augen unsinniges Projekt zu stoppen. Das ist unser vom Staat zugestandenes Recht.

Den Bürgerentscheid mit der Gartenschau in Verbindung zu bringen ist hanebüchen und eine sehr durchschaubarer rhetorischer Trick, uns als Fortschrittsgegner und realitätsferne „Baumstreichler“ zu diskreditieren und obendrein einen schwarzen Peter zu haben, dem man die Schuld zuschieben kann, wenn es doch nicht klappen sollte.

Um aber zum Thema Gartenschau zurückzukommen: Wir sind der Meinung, dass gerade die Neubaupläne der Stadt dieses Projekt in Gefahr bringt! Wie Herr Senner vom Büro Planstadt in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte:

„Das sind Profis. Die wollen keine Augenwischerei hören. Man muss ihnen die Flächen zeigen, um die es geht. Und das Ganze muss in den Masterplan der Stadt eingebunden sein. […] Das Konzept muss auf jeden Fall gut sein. Es sollte einen visionären Charakter haben, aber auch realistisch umsetzbar sein. Dann müssen der Gemeinderat und die Verwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze mit Haut und Haaren dahinter stehen.“

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Angesichts der angestrebten Planänderung bezweifeln wir, dass die Stadt tatsächlich mit Haut und Haaren hinter einer Gartenschau steht?

  • Was hat ein überdimensionierter Neubau mit Geschäften und teuren Luxuswohnungen mit „Grüner Mitte“, Ausflugsziel und Natur zu tun?
  • Die Konzepte „Gartenschau“ und „Neubebauung“ widersprechen sich im Kern: Die Bewohner könnten sich vom Lärm und den Besuchern belästigt fühlen. (Der geplante Biergarten in den sogenannten „Reitställen“ wird daher ebenfalls unwahrscheinlich.)
  • Wieso möchte man ein Gebäude, noch länger, breiter, höher als das schon Vorhandene, das den Gartenschaubesuchern die schönste Sicht auf die Altstadt, die Stadtkirche und Schloss Kaltenstein nimmt – also gerade die Attraktionen, mit denen die Stadt um Besucher wirbt?
  • Wie ernst ist es der Stadt mit der Gartenschau, wenn die erste Maßnahme ist, Gärten und historische Substanz zu vernichten, die man sehr gut in das Konzept einer Gartenschau einbinden könnte. Durch den Rückbau und eine gelungene Renovierung in moderne Glas-Backsteinoptik kann das Enßle-Gebäude im Ensemble mit den Reitställen z.B. als Touristeninfo, für Infos zur Gartenschau, zur Stadt und ihrer Geschichte samt entsprechender Ausstellung, als Kartenverkaufsstelle, Café mit Besuchertoiletten, später als Platz der Begegnung dienen, dazu die schönsten Gärten als Schaugärten für die historischen Gartenanlagen seit dem Mittelalter. Mit dem Neubau hingegen hätte man keinen Eingangsbereich zur Gartenschau zur Verfügung, sondern würde Gartenschaubesucher im Eingangsbereich eine 12 Meter hohe Betonwand entlangführen.
  • Die benötigten Parkkapazitäten, die nach diesem Plan auch ohne Gartenschau aufs Äußerste strapaziert werden, würden nicht ausreichen. Und ein Parkplatz plus riesigem Betonbau als Eingang zur Gartenschau von der Stadt aus – was für einen Eindruck würde Vaihingen den Besuchern vermitteln?
  • Die Anbindung zur Stadt ist in der Form nicht gegeben. Ziel ist schließlich, Gartenschaubesuchern nicht nur die Schönheit der Gärten, sondern auch die Schönheit der Stadt nahezubringen.
  • Wir fragen auch: Wo ist der Masterplan der Stadt, den Herr Senner im Interview mit der Stuttgarter Zeitung ebenfalls als sehr wichtig erachtet? Gibt es einen? Ein bloßes Einzelhandelskonzept, noch dazu veraltet und bislang nicht umgesetzt, reicht nicht aus, um unsere Stadt attraktiver zu machen. Eine Gartenschau ist eine unglaublich gute Chance, die Schönheit unseres Städtchen hervorzuholen. Dazu ist aber mehr notwendig als ein bloßer Investorenbeton am äußersten Rand der Altstadt.

Tatsächlich Visionär wäre es in unseren Augen, wenn die Stadt mit den Bürgern gemeinsam überlegt, wie man das Beste aus den Köpfwiesen heraush

JA für den Hochwasserschutz

Der BGB wird oft vorgeworfen, sich im „Kleinkram“ zu verlieren (Stichwort: Nur 4% der Gärten sollen überbaut werden). Uns wurde oft vorgeworfen, sentimentale „Baumstreichler“ und „Fortschrittsverweigerer“ zu sein. Ja, wir mögen Bäume, ja, wir mögen die Gärten. Wir würden sie sogar noch mehr mögen, würde die Stadt – anstatt sich darüber zu mokieren, dass die Köfpwiesen nur von wenigen Gartenbesitzern genutzt würden – die ihr gehörenden Flächen zum Naherholungsgebiet für alle umbauen würde statt sie von Unkraut überwuchern zu lassen. Das würde mit wenigen Mitteln sogar im Zuge der fieberhaft erwarteten Gartenschauentscheidung gehen.

Doch wichtiger als die Diskussion um die drei Gärten, die, so die Stadt, lediglich „4% der Gesamtfläche“ ausmachen, ist die Diskussion, die die Stadt nicht eingeht und bei der gerne um den heißen Brei herumgeredet wird, anstatt konkrete Studien und Untersuchungen vorzulegen.

Fakt ist: Es bestehen ökologische Bedenken gegen die Planung, die nichts mit „Bäume streicheln“ zu tun haben, sondern mit Wasserschutz und Schutz des Mikroklimas in der Innenstadt. Auch wenn es nur um 4% der Gesamtfläche geht: Gerade an dieser Stelle, die überbaut werden soll, werden die Grünflächen benötigt! Außerdem werden in unseren Augen gesetzliche Vorgaben zum Hochwasserschutz ignoriert. Die Köpfwiesen erfüllen wichtige ökologische Funktionen für Vaihingen.

  • Ein großer Teil des Trinkwassers wird direkt neben dem geplanten Neubau, der entsiegelte Parkplätze (Rasengittersteine) benötigt, gewonnen. Eine Gefährdung z.B. durch Öl ist unseres Erachtens vorprogrammiert.
  • Das klimaökologische Gutachten, das der Begründung des Bebauungsplans zugrunde liegt, empfiehlt sogar ein den Rückbau vorhandener Bebauung, Ein größeres und höheres Gebäude würde die Frischluftzufuhr in der Altstadt noch weiter blockieren.
  • Die Köpfwiesen dienen dem Hochwasserschutz für die Altstadt, da diese bereits bei 50- jährlichem Hochwasser signifikant überflutet werden. Der geplante, wesentlich größere Neubau (3fach verbaute Grundfläche im Vergleich zum jetzigen Enßle-Gebäude) stände als Strömungsriegel quer zur Fließrichtung. Wasser würde deutlich langsamer abfließen. Der dadurch erfolgende Rückstau würde die Altstadt stärker gefährden. Von der Stadtverwaltung gibt es bisher kein Konzept dazu.
  • Ungeklärt ist auch, inwieweit sich die Neubauplanung an dieser Stelle mit 78 Abs. 1 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) des Landes Baden-Württemberg in Vereinbarung bringen lässt, wo unter anderem eine Ausweitung von Neubauflächen in Überschwemmungsgebieten oder die die Errichtung von Mauern, Wällen oder ähnlichen Anlagen quer zur Fließrichtung des Wassers bei Überschwemmungen untersagt wird.

JA für den Fortschritt: Für ein stimmiges Gesamtkonzept statt Investorenarchitektur

Liebe Fraktionen der Stadt Vaihingen. Vielen Dank für eure  etwas irritierende Anzeige im Wochenblatt. Wir wissen: Ihr seid für die Bebauung des Enßle-Areals. Das ist völlig in Ordnung und euer gutes Recht. Doch wir fragen uns: Was sind die Argumente der Stadt für den Bau? Sicherlich kann man mit den Schlagworten „Stillstand“ und Fortschritt“ eine Argumentation vortäuschen. Die Stadt will „Fortschritt“, der BGB wird der schwarze Peter für den „Stillstand“ zugeschoben. Doch so einfach ist es nicht. Wir fragen: Was hat es mit „Fortschritt“ zu tun, an dieser Stelle 16 Luxuswohnungen bauen zu lassen? Was hat es mir „Fortschritt“ zu tun, drei neue Einzelhandelsflächen zu eröffnen, wenn es in der Stadt vor leeren Ladenflächen und gähnender Langeweile wimmelt?

Die Stadt bezieht sich nur zu gerne auf das Einzelhandelsgutachten des Büros Acocella aus dem Jahr 2006. Wer nachlesen möchte: Die Empfehlung für die Nutzung als Einzelhandelsfläche steht auf Seite 142. Die bevorzugte Lage für neue Einzelhandelsflächen war übrigens nicht das Köpfwiesenareal, sondern der Kelterbuckel an der Grabenstraße, ebenfalls nachzulesen auf S. 142. Damals stand das Gelände durch Museumspläne nicht zur Verfügung. Heute ist es so gut wie verkauft. In den Jahren dazwischen wurden die Gebäude, die als ideal für die Innenstadtentwicklung angesehen wurden, als Abstellfläche verwendet. Aber wie gesagt: Das nur am Rande.  Das Einzelhandelsgutachten besteht aber nicht ausschließlich aus Seite 142 und wenn die Stadt sich über Stillstand beschwert, sollte sie sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn wir wissen alle: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“

Aber zurück zum Thema: Die BGB hindert die Stadt keineswegs daran, die nächsten drei Jahre aktiv zu werden, schließlich könnte die Stadt zusammen mit den Bürgern Ideen für das Gartenareal und die Gebäude in den Köpfwiesen entwickeln, die für alle ein Gewinn sind, ohne die Einzelhändler der Stadt noch zusätzlich durch die Konkurrenz großer Ladenflächen in Bedrängnis zu bringen. Nichts anderes waren unsere Forderungen, die wir im Interesse der Innenstadtentwicklung gestellt haben!

Die BGB würde es sehr begrüßen, wenn in der Stadt endlich was in Bewegung kommen würde, z.B. wenn diverse Hausbesitzer der Innenstadt dazu zu verführt werden könnten, ihre in die Jahre gekommenen grauen Fassaden zu renovieren – die Erhaltung eines attraktiven, individuellen Stadtbildes steht nämlich mit im Maßnahmenkatalog zur Stärkung des Einzelhandels. Weiterhin wird als explizit wichtig erachtet, den zahlreichen Leerstand der Stadt zu bekämpfen und das Einzelhandelsangebot zu steuern. Es gibt nämlich nur eine begrenzte Anzahl an Friseuren und Wettbüros, die eine Stadt ertragen kann. Diese Punkte scheint die Stadt übersehen zu haben?

Wir laden die Stadt besonders herzlich dazu ein, endlich das überfällige stringente und stimmige Gesamtkonzept für die Stadtentwicklung vorzustellen und vor allem umzusetzen, anstatt kopflos mal hier, mal dort „irgendetwas“ zu machen. Übrigens: das Stadtkonzept ist ebenfalls einer der zentralen Punkte des Einzelhandelsgutachtens.

Es reicht in unseren Augen nicht, dem Siedlungsdruck nachzugeben, einen überproportionierten Betonbau irgendwo in die Landschaft zu setzen und zu behaupten, dies sei Fortschritt! Das Argument, dass „Endlich“ was passiert sind keine Argumente, sondern zeugen viel eher von blindem Aktionismus und planlosem Stückwerk, wie es in unseren Augen die Baupläne für das Enßle-Areal sind.

Liebe Stadt, liebe Fraktionen, liebe Mitbürger: Fortschritt ist ein Prozess, der manchmal mühsam und frustrierend ist, Zeit kostet, Geld kostet. Aber er ist es wert! Fortschritt besteht hingegen nicht darin, die Verantwortung für die Entwicklung der Stadt an Investoren zu verscherbeln.

Überlegungen zur Gartenschau und der Zukunft des Enßle-Geländes

Bürgerprotest gefährdet Gartenschau“ – mit diesem reißerischen Aufmacher betitelte die Ludwigsburger Kreiszeitung vom 9.11.2016 die Vorgänge in unserem Städtle. Für diesen Aufmacher wurde Herr OB Maisch zitiert, der düster verkündete: „Wenn der Bürgerentscheid gegen unsere Planung ausgeht, können wir das Gartenschauprojekt vergessen“, […] „Ich als Jurymitglied würde dem niemals zustimmen.“

Nun ist es inzwischen so, dass dem Bürgerbegehren stattgegeben wurde und die Gartenschaubewerbung inzwischen ebenfalls beim Landwirtschaftsministerium liegt. Eigentlich ein bisschen spät, um jetzt noch zu widersprechen. Trotzdem. Es wurmt uns. Die Gegner der geplanten Bebauung, also wir, bekommen den schwarzen Peter zugeschoben, als ob es von vornherein unser Ziel gewesen wäre, die Gartenschau zu sabotieren. Dem ist selbstverständlich keineswegs so, im Gegenteil! Wir von der BGB unterstützen die Gartenschaubewerbung durchaus.

Es ist hier allerdings so, dass zwei völlig voneinander unabhängige Dinge von unserem Oberbürgermeister miteinander in Verbindung gebracht werden: Zum einen die geplante Bebauung des Enßle-Geländes, das – so die Stadt – den Handel in Vaihingen an der Enz ankurbeln soll. Das andere ist die Gartenschau, die, anders als der OB suggeriert, in keinster Weise mit den Bebauungsplänen rund ums Enßle-Areal verknüpft ist, sondern ein gänzlich unabhängiges Projekt ist. Das ist so wie mit den berühmten Äpfeln und Birnen.

Reden wir einmal nicht vom (vorgeblichen) wirtschaftlichen Nutzen, sondern schauen uns unsere Äpfel und Birnen, sprich: Enßle-Gelände und Gartenschau einmal an. Anders als die Stadt sehen wir, dass sich die beiden Pläne viel eher widersprechen: Auf der einen Seite will man mit einer Gartenschau Besucher in die Stadt locken. Eine Gartenschau suggeriert viel Grün, Parkanlagen, Wachstum. Sie soll mit schönen Ausblicken reizen und verlocken. Nur wird dieses Versprechen nicht eingehalten werden, sollte die Stadt weiterhin grüne Flächen und historische Bebauung zugunsten von grauem Beton einebnen. Die Zufahrt in die Stadt von der Stuttgarter Straße aus ist ja inzwischen zubetoniert. Statt das Potential der charmanten alten Häuser voll auszuspielen, haben Investoren freie Hand bekommen, historische Bauten zu beseitigen, um teuren Wohnraum zu erschließen und der Stuttgarter Straße ein Gesicht verliehen, das anonym, grau und reizlos ist.

Soll dasselbe nun im Mühlkanal passieren? Auf der einen Seite die hübschen Fachwerkbauten, auf die die Stadt eigentlich stolz sein sollte, die einzige unverbaute Stadteinfahrt und auf der anderen Seite … ein Betonblock im neobrutalistischen Stil, der den Gartenschaubesuchern von der Enz aus die schönste Aussicht auf das Schloß Kaltenstein mit noch einem grauen Riegel versperren wird? Diese Idee irritiert nicht wenig.

Oder wäre nicht doch ein liebevoll restaurierter und modernisierter Backsteinbau zu bevorzugen? Ein Gebäude mit einem ganz besonderen Charme nach dem sich andere Städte alle zehn Finger lecken würden und der eine Menge Möglichkeiten für denjenigen, der ein bisschen seine Fantasie spielen lässt, bietet? Dazu nebenan die kleinen Gartenparadiese mit den hübschen Jugendstil-Gartenhäuschen, die sonst weichen müssten. Und was ist eigentlich mit dem angeblich geplanten Biergarten in der ehemaligen sogenannten Reithalle, der unserer Stadt endlich mal ein dringend gewünschtes kleines Paradies zum gemütlichen Feierabendbierchen bei schönem Wetter bieten könnte? Bedenken Sie: Wie wahrscheinlich wäre denn ein Biergarten, den die Stadt an dieser Stelle vorgeblich gerne hätte, wenn unmittelbar nebenan Wohnraum entsteht und Parkplätze benötigt würden?

Noch viel größer ist aber die Sorge: Was wäre wenn, wenn das Enßle-Areal die von der Stadt gewünschten Wohn- und Geschäftsbauten bekommt und die Gartenschaubewerbung abgelehnt wird? Wer garantiert denn, dass nicht in Salami-Taktik immer mehr von den Bürgergärten verschwinden werden, deren immenser Nutzen für die Bevölkerung in anderen Städten übrigens gerade wiederentdeckt werden? Nur als ein kleines Gedankenspielchen…

 

Ihre zündenden Ideen werden gesucht!

Nun ist der Beschluss gefasst: Das Bürgerbegehren kommt! Im März nächsten Jahres wird die Wahl stattfinden.

Wir sind überzeugt, dass unser Anliegen auch unseren Vaihinger MitbürgerInnen am Herzen liegt, denen nicht nur der Konsum, sondern auch die Geschichte und die grüne Lunge unserer Stadt wichtig sind. Jetzt ist es ja nicht so, dass wir einfach nur fordern wollen, dass das Enßle-Gebäude und die drei Bürgergärten nicht dem Bagger zum Opfer fallen. Die Kernforderung unserer Initiative ist, dass wir in den demokratischen Prozess der Entscheidungsfindung eingebunden werden. Die Köpfwiesengärten sind eine öffentliche Institution unserer Stadt, auch wenn nicht jeder sie für kurze oder auch längere Spaziergänge nutzt oder gar selber einen Garten hat. Die rund 700 Jahre alten, geschichtsträchtigen Stadtgärten sind ein Aushängeschild für die Stadt, ein Touristenziel und ein Naherholungsgebiet, das nicht einer kurzsichtig geplanten Bebauung in Form von Betonwürfeln geopfert werden sollte. Da die Gärten allen Bürger zum Spazieren oder Verweilen offen stehen, sind wir der Meinung, dass die Bürger auch in die Entscheidung, was wir mit dem Gebäude anfangen wollen, eingebunden werden sollten.

Daher laden wir wir sie ein, uns Ihre Ideen zu schicken. Welche Nutzung könnten Sie sich für das Enßle-Gebäude vorstellen? Was braucht unsere Stadt? Was fehlt Ihnen? Vielleicht hätten Sie gerne einen schönen Raum für Kultur, in dem Theateraufführungen und Konzerte regelmäßig stattfinden können? Ein Kino? Ein Café? Wie wäre es mit einem Museum? Finden Sie nicht, dass noch ein Raum für die Präsentation der Geschichte der Stadt fehlt, von der wir ja, angefangen beim Sonnenwirtle über die Gerberkultur bis hin zum RAF-Treffpunkt so einiges vorweisen können? Oder vielleicht ein Raum für alle? Ein Treffpunkt, wo man Kaffee und Tee trinken, miteinander schwätzen, gemeinsame Aktionen durchführen oder auch Ausstellungen heimischer Künstler präsentieren kann?

Oder… ?

Senden Sie uns Ihre Ideen! Zu gewinnen gibt es zwar nichts, aber wäre es nicht toll, wenn Ihre Idee sich als so mitreißend entpuppt, dass sie unbedingt umgesetzt werden muss? Schreiben Sie uns einfach ins Kontaktformular oder per Email, was Sie sich haben einfallen lassen.

 

Ab März: Gartenführung mit Schildkröte

Es ist zu schade: Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass die Führungen durch die Köpfgärten nicht mehr im neuen Terminkalender für die Stadtführungen zu finden sind. Zwar standen die neuen Termine bereits fest, doch wurden die Führungen unseres Engel-Wirtle überraschend gestrichen. Wir wollen jetzt nicht spekulieren, was zu der Entscheidung der Stadt geführt hat. Vielleicht hat es mit dem bevorstehenden Bürgerentscheid zu tun? Wir wissen es nicht.

Zum Glück grämt sich der Engelwirt nicht lange über die unerwartete Freizeit, sondern wird diese nutzen, um seine altehrwürdige Schildkröte Gustav im März nach dem ausgedehnten Winterschlaf wieder fit zu machen. Dazu braucht es kein Fitnessstudio, ein paar ausgedehnte Spaziergänge durch die Bürgergärten reichen Gustav schon aus. Jeder ist herzlich eingeladen, Andreas Schuller und Gustav bei diesen Spaziergängen zu begleiten und vielleicht bei einem netten Plausch in trauter Runde das ein oder andere Wissenswerte über die Bürgergärten zu erfahren.

Wer beim Schildkröten-Gassigehen dabei sein möchte:

Ab März finden die Spaziergänge dienstags und mittwochs gegen 17 Uhr statt. Treffpunkt ist das Köpfwiesenparkhaus.

Samstags hat Gustav das Bedürfnis, ein wenig früher raus zu gehen, dann geht es schon um 15 Uhr los.